7 Arten der Verschwendung

Die 7 Arten der Verschwendung

Allgemein versteht man unter dem Begriff „Verschwendung“ jede Tätigkeit ohne Wert schöpfenden Effekt. Es gibt viele Konzepte, die sich der Vermeidung solcher Verschwendungen widmen. Ganz weit vorn sind die Konzepte und Strategien von Lean Management bzw. Kaizen. Aus diesen haben sich „die sieben Arten der Verschwendung“ herausgebildet, die sich, je nach Quelle, ein wenig voneinander unterscheiden. Für diesen Artikel habe ich die sieben Begriffe herausgesucht, die für mich den jeweiligen Sachverhalt treffend beschreiben.

Einige der Verschwendungsarten sind leicht nachzuvollziehen. Bei anderen müssen wir ein wenig um die Ecke denken. Zusätzlich zu den durch die Verschwendung entstehenden direkten Kosten sprechen Betriebswirtschaftler und Volkswirte zudem von so genannten Opportunitätskosten. Also Kosten, bei denen durch die realisierte Verschwendung bestimmte Effekte NICHT realisiert werden konnten. Vereinfacht gesagt: Es geht darum, was möglich gewesen WÄRE, wenn man die Verschwendung hätte vermeiden können.

Das sind „meine“ 7 Arten der Verschwendung

Unnötige Tätigkeiten

Unnötige Tätigkeiten

Darunter verstehe ich alle Tätigkeiten, die im Prinzip für die eigentliche Wertschöpfung nicht notwendig wären. Also lange Laufwege, Besprechungen ohne Ergebnis oder unstrukturierte Arbeitsumgebungen, in denen oft etwas gesucht werden muss. Diese Tätigkeiten halten uns nicht nur davon ab, Wertschöpfendes zu tun. Sie halten oft auch anknüpfende Prozessschritte auf und vervielfältigen dadurch oft noch die Verschwendung von Ressourcen.

Unnötige Tätigkeiten bergen darüber hinaus auch ein erhöhtes Fehlerpotential.

Unklare Prozesse

Unklare Prozesse

Wenn Menschen mit unklaren Prozessen konfrontiert werden, dann neigen sie oft dazu, sich selbst Prozesse zu schaffen. Sie meinen das meistens gut. Je nachdem, in welchem Umfeld wir uns bewegen, kann das aber fatale Folgen haben. Insbesondere, wenn den handelnden Personen die Gesamtzusammenhänge nicht oder nur unzureichend bekannt sind.

Je besser Prozesse beschrieben sind, umso geringer sind die Fehlerquoten und Unsicherheiten, wenn mal etwas schiefgeht.

Getreu dem Motto: WER macht WAS bis WANN.

Denn schließlich wollen wir die Qualität doch nicht Zufallsprozessen überlassen, oder?

Unnötige Lagerbestände

Unnötige Lagerbestände

Unnötig hohe Lagerbestände binden Kapital und verursachen Lagerkosten. Als solche Bestände bezeichne ich in diesem Zusammenhang vor allem Rohstoffe und Halbfertigerzeugnisse, die auf eine Weiterverarbeitung warten. Man kann aber auch Fertigwaren hinzuziehen, die ohne konkreten Kundenauftrag gefertigt und auf Lager gelegt werden. Von besonderer Bedeutung wird dieser Punkt, wenn es sich um verderbliche Roh-, Halb- oder Fertigwaren handelt, da sie gegebenenfalls an Qualität verlieren und vor der Endverarbeitung und dem Versand ausgetauscht werden müssen.

Überproduktion

Überproduktion

Überproduktion bedeutet die Produktion von Gütern ohne Kundenauftrag bzw. ohne entsprechende Strategie. Diese Überproduktion führt einerseits zur Verschwendung von Rohstoffen, Energie und personellen Ressourcen im Rahmen der Herstellung und zudem zu erhöhten Lagerkosten. Außerdem kann eine Überproduktion bestimmter Güter auch zu einem sinkenden Preisniveau führen, weil das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Ein weiterer negativer Effekt kann bei nur begrenzt haltbaren Produkten bestehen, wenn diese an Wert verlieren oder gar verderblich sind.

Wartezeiten

Wartezeiten

Wenn unnötige Wartezeiten vorliegen, bedeutet das, dass bestimmte Prozessschritte auf ein Ereignis oder die Fertigstellung eines vorhergehenden Prozesses warten müssen. Es ist leicht ersichtlich, dass das zur Verschwendung personeller und maschineller Ressourcen führt. In diese Kategorie packe ich auch das Warten aufgrund von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, die zu lange dauern oder schlecht geplant sind.

Hier zahlen sich selbst geringfügige Verbesserungen positiv aus!

Fehler und Nacharbeit

Fehler, Nacharbeit

Das ist vielleicht die Kategorie, bei der Verschwendung am plausibelsten scheint: Ware ist fehlerhaft und muss entweder nachgearbeitet, entsorgt oder zu einem geringeren Preis verkauft werden. Dabei gilt die Faustregel, dass sich Fehlerkosten mit jedem Prozessschritt, den man den Fehler zu spät bemerkt, verzehnfachen.

Zu den offensichtlichen Kosten (Nacharbeit, Rabattierung bzw. Vernichtung) können dann noch indirekte Kosten wie Gewährleistungen, Garantien oder Rücksendekosten dazukommen.

Ineffizienter Transport

Ineffizienter Transport

Die siebte und damit letzte Art der Verschwendung ist der ineffiziente Transport. Darunter können sowohl die Transportwege als auch ungeeignete Transportmittel verstanden werden. Außerdem müssen wir uns an dieser Stelle mit der Frage beschäftigen, in welcher Hinsicht „Effizienz“ zu verstehen ist. Denkbar sind Kosteneffizienz oder Zeiteffizienz wenn es um die Frage „Luftfracht vs. Seefracht“ geht.

Das passt jetzt vielleicht nicht ganz zum Thema, aber an diesem Punkt frage ich mich nicht zum ersten Mal, wie Äpfel aus Neuseeland auch nur im Ansatz preislich mit denen vom Bodensee konkurrieren können. Der Transport scheint mir hier deutlich zu günstig zu sein. Aber das ist meine private Einstellung…

Fazit

Die konkrete Betrachtung der sieben Arten von Verschwendung kann uns dabei helfen, unsere Prozesse zu optimieren. Dabei sollten wir aber immer darauf achten, dass die Verbesserung bzw. Vermeidung einer Verschwendungsart auch positive oder negative Auswirkungen auf eine andere Art haben kann. So könnte zum Beispiel ein effizienter Transport per Seefracht zu einem erhöhten Lagerbestand führen, weil ein kompletter Seecontainer verladen werden muss.

Oder die Reduzierung von Lagerbeständen kann dazu führen, dass bei einer sprunghaft ansteigenden Nachfrage der Bedarf an bestimmten Gütern nicht gedeckt werden kann. Betrachten Sie eine Firma deshalb immer als einen atmenden Organismus in dem alle Tätigkeiten zusammenfließen.

Den Audio-Podcast zu diesem Beitrag finden Sie hier.